Das schreibt die Presse

Wir freuen uns über die großartige Berichterstattung in der lokalen Presse, vor allem in den Bramscher Nachrichten und dem Bersenbrücker Kreisblatt. Hier finden Sie umfangreiche Berichte über unsere Arbeit und eine zuverlässige Ankündigung unserer Termine!

Provisorium Seeterrassen beendet

Mitarbeiter des NBZ Alfsee ziehen in die Büroräume zurück

von Ilona Ebenthal

10.09.2021 Rieste. Nach der Brandkatastrophe im Naturschutz- und Bildungszentrum Alfsee sind die Mitarbeiter in die frisch renovierten Büroräume zurückgezogen. Der Neubau der zerstörten Ausstellungsräume hat dagegen gerade erst begonnen.
Nach der Brandkatastrophe im NBZ Alfsee in der Nacht zum 1. Oktober 2020 fanden die Mitarbeiter eine provisorische Bleibe im Café Seeterrassen nebenan. Während die Eingangs- und Ausstellungshalle bis auf die Grundmauern niedergebrannt waren, konnte der Bürotrakt  mit einer aufwendigen Renovierung wieder instand gesetzt werden. Auch das Inventar kam größtenteils nach einer Reinigung wieder zum Einsatz.
Zwei Tage lang packten Leiter Jürgen Christiansen und seine Mitarbeiterinnen Birgit Lamping, Kathrin Leiendecker und Judith Perez jetzt beim Umzug mit an. Unterstützung gaben die Praktikantinnen Britt Jansen, Annabell Klammer, Maike Bucks und Jonas Bahl als ehemaliger Praktikant. Zu tun war reichlich. Die in einem Container eingelagerten Tierpräparate, vor allem von Vögeln, die vielfältigen Materialien für die Workshops zur Umweltbildung sowie Kisten voller Geschirr galt es zu transportieren, wie Judith Perez berichtet.
Geschleppt werden musste auch die laut Perez „sehr umfangreiche“ Literatur rund um Ornitologie und Naturschutz, die jetzt unter dem Dach ihren Platz gefunden hat. Mittels „Menschenkette“ wurden die Bücherkisten die Treppen hinauf gereicht. Die schweren Schreibtische seien dankenswerter Weise von Mitarbeitern des Bauhofs der Samtgemeinde Bersenbrück geschleppt worden, berichtet die Mitarbeiterin weiter. Auch Hausmeister Horst Buschermöhle von der Samtgemeinde habe kräftig mitgeholfen.
Ab Montag, 13. September, sind die NBZ-Mitarbeiter also wieder am alten Standort zu finden. Der Briefkasten sei montiert, die Türklingel folge in Kürze, erzählt Judith Perez. Was die Mitarbeiter sich nun wünschten, sei „Ordnung“, weil vieles aufgrund fehlender Regale noch nicht verstaut werden konnte. Auch wenn die Reinigungskolonne Verspätung hatte, sei der Umzug „gut gelaufen“, berichtet sie. Die neue Raumaufteilung sage allen Mitarbeitern sehr zu. Jürgen Christiansen könne von seinem neuen Büro – eine Etage höher – jetzt sogar noch besser durchziehende Vögel fotografieren. 


Jungen und Mädchen probieren Natur-Spielstraße am Alfsee aus

Spiel und Spaß für Naturschutz mit 13 Stationen

Alfhausen. Eine „Natur-Spielstraße“ für Familien gibt es jetzt am Alfsee. Zum Probelauf rückten die Alfhausener „Schubidus“ an.
Die Gruppe der Vorschulkinder der Kita St. Anna in Alfhausen nennt sich „Schubidu“ – Abkürzung für „Schulkind bist du“. Mit ihren Erzieherinnen durften die Mädchen und Jungen die 13 Stationen auf der Spielstraße rund um die Biologische Station Haseniederung ausprobieren.
Mit dabei war auch Eva-Maria Kleine Starmann mit ihren Kindern, dem vierjährigen Julius und der dreijährigen Annelie. Die junge Mutter hatte die Idee einer Natur-Spielstraße im Internet entdeckt und sich im Mai an die Biologische Station gewandt.

Aufbau im Teamwork

Die Idee wurde dann unter Federführung der Umweltpädagogin Kathrin Leiendecker weiterentwickelt zu insgesamt 13 Stationen. Mit „Lauter – Die Stiftung für Kinder, Jugendliche und Familien im Landkreis Osnabrück“ fand sich dazu auch ein Förderer. Für die Umsetzung des Konzepts war in der Biologischen Station eine Woche lang intensiv Teamwork angesagt. Die ganze Familie Kleine Starmann habe mitgeholfen und sogar Sand und Holzstämme angeliefert, freute sich Kathrin Leiendecker.

Drei Studentinnen und ein Student, die gerade ihr Praktikum an der Station absolvieren, sowie eine FÖJlerin legten ebenfalls mit Hand an. „Viele Kleinigkeiten“ mussten erledigt werden, so Leiendecker. Einen Tag lang wurde dann alles aufgebaut. Los geht die Tour am Parkplatz auf dem Deich, dann entlang der Ueffelner Aue bis zur Biologischen Station. Jede der 13 Stationen soll nicht nur Spaß machen, sondern gleichzeitig auf Anliegen des Naturschutzes hinweisen.

Mit Baumstammwippe oder Fahrradreifenparcours geht es zum Beispiel um die Themen Gleichgewicht in der Natur und Upcycling. Familien dürfen außerdem einen Leiter-Barfußpfad ausprobieren oder ein Mandala aus Naturmaterial gestalten. Entlang der Strecke können Holzschmetterlinge entdeckt und gezählt werden. Hier geht es um das wichtige Thema Artenschutz. Frederik Gohmann, Mitarbeiter der „Lauter“-Stiftung, schaute sich den Probelauf nicht nur an, er probierte auch selbst, zum Beispiel verschieden große geflochtene Weidenringe über bunt markierte in die Erde gesteckte Latten zu werfen. Bis Ende September, je nach Witterung, steht die Natur-Spielstraße zur Verfügung, bevor das Equipment ins Winterlager geht.

Im Frühjahr 2022 wird der Familienspaß dann wieder aufgebaut.

Ein Konzert für die Natur

Sommerkulturprogramm in der Biologischen Station startet mit Erdfest

Alfhausen. Im vergangenen Jahr wurden die Kulturveranstaltungen im sommerlichen Garten der Biologischen Station Haseniederung aus der Taufe gehoben und gut angenommen. Ein Erdfest setzte nun diese lauschige Veranstaltungsreihe fort.
Unter diesem Erdfest ist ein sich seit 2018 in Deutschland und einigen europäischen Nachbarländern ausbreitender Impuls zu verstehen, der die Achtsamkeit auf die Natur und den gesamten Erdball in das Bewusstsein heben will. „Dem Lebendigen Lebendigkeit zurückschenken, für eine gelebte Gegenseitigkeit zwischen Menschen und allen Wesen“, stellt der Flyer für diese Erdfeste deren Anliegen klar.
„Dass wir nicht ohne die Natur leben können und uns Gedanken darüber machen sollten, die Verbindung mit unserer Umwelt immer wieder neu zu erfahren und zu erleben“, konkretisierte Ronald Siegmund-Stuckenberg für die Biologische Station den Grundgedanken dieser Initiative.

Sehnsucht nach der See

Mit französischen Chansons, Instrumentaldialogen zwischen Akkordeon und Gitarre sowie Texten mit Bezug zur Natur, zum Weltall und zum Leben an sich wurde das Erdfest am Alfsee gefeiert. Ulrike Teepe (Gesang), Felix Wirsing (Klavier, Akkordeon) und David Dücker (Gitarre) aus Osnabrück hatten für den Abend zum Thema passende Titel und Texte ausgesucht.
Das Trio präsentierte ein von Nachdenklichkeit und Tiefgang, aber auch von gelegentlicher Heiterkeit durch Palmström-Gedichte inspiriertes Programm. Zu den dezenten Klängen von Gitarre und E-Piano sang Ulrike Teepe unter anderem über das Meer und brachte dabei ihre ganz private Sehnsucht nach der See zum Ausdruck.
Das Leben ohne Geld oder Ruhm war gemäß einem weiteren Liedtext zwar vorstellbar, ohne Zärtlichkeit und Liebe hingegen niemals. Einen besinnlich-melancholischen Charakter nahm das Konzert in seinen instrumentalen Zwischenspielen an, wenn Gitarre und Akkordeon in Form von Improvisationen im Duett erklangen.

Entspannte Stimmung

Auch wenn es einmal bei einem Titeltempo etwas zügiger zuging, verließen Ulrike Teepe, David Dücker und Felix Wirsing kaum das überwiegend ruhige Timbre ihrer Worte und Töne. Auch zwischendrin eingefügte beschwingte Kadenzen bei den Instrumentalstücken sowie die unaufdringliche Poesie der Gedichte trugen zum Konzertgelingen bei.
Der besondere Charme der Abendveranstaltung in der Biologischen Station spiegelte sich in der entspannten Stimmung zwischen schattenspendenden Bäumen und den Wildstaudenbeeten mit imposantem Fingerhut, üppigen Malven oder leuchtendem Klatschmohn wider. Das Publikum war eingeladen, eigene Verpflegung mitzubringen. Anstelle eines Eintritts wurde um eine freiwillige Hutspende für die Künstler gebeten, was dem Kunstgenuss zusätzlich eine sympathische Freiheit von kommerziellen Zwängen verlieh.

Holger Schulze

Ein Platz an der Sonne zum Ringeln

Artenschutz-Projekt: Biologischen Station Haseniederung sucht Schlangen im Venner Moor

Ilona Ebenthal

Sie sind durch den Landschaftswandel besonders akut bedroht: den letzten verbliebenen Schlangen will ein Projekt der am Alfsee stationierten Biologischen Station Haseniederung im Venner Moor auf die Spur kommen.
Morgens um sieben Uhr parkt Birgit Lamping, Mitarbeiterin der Biologischen Station Haseniederung, an einem von Schlaglöchern und Pfützen durchbrochenen Weg im Venner Moor. Es ist heute schon früh sonnig und warm. Bei einer Sitzgruppe für Ausflügler steht eine von vielen Terra-Vita-Schautafeln. Neben der Libellenart Nordische Moosjungfer und dem Tüpfelsumpfhuhn wird darauf auch die Kreuzotter vorgestellt. 50 bis 70 cm Länge, Februar bis November aktiv, bevorzugter Lebensraum mit starker Tag-Nacht-Temperatur-Schwankung und hoher Luftfeuchtigkeit, erfahren wir.

Keine Lebensgefahr

Die Kreuzotter ist eine Giftschlange, die ihre Beute betäubt. Die Schlange ist sehr scheu und flieht, wenn sie gestört wird, weiß Birgit Lamping. Für einen Menschen ist ein Biss keinesfalls lebensgefährlich, kann aber allergische Reaktionen auslösen. Je nach Witterung verlassen zuerst die Männchen, dann die Weibchen ihr Winterquartier, berichtet die 41-Jährige. Zweistellige Temperaturen seien für die Aktivitätsphase der wechselwarmen Tiere erforderlich. Die Diplom-Ingenieurin für Landschaftsentwicklung will bei der heute idealen Witterung nach Schlangen suchen.

Unter warmen Steinen

Im Frühjahr 2020 haben die Mitarbeiter der Station an verschiedenen Stellen im Venner Moor dunkle Zementfaserplatten ausgelegt. In der Morgensonne wärmen sich die Schlangen gerne durch die Sonneneinstrahlung auf, liegen dabei aber lieber verborgen. Wir bewegen uns langsam und vorsichtig über selten befahrene Wege, entlang zahlreicher Gräben und Wasserflächen, die durch den regenreichen Mai gut gefüllt sind. Wir durchqueren üppiges Gras und nähern uns der ersten Stelle.
Birgit Lamping hält das Handy zum Fotografieren bereit, während sie die Platte anhebt. Bei der blitzartigen Flucht wird es nämlich schwierig, die Art zu bestimmen. Doch unter dieser Platte wärmt sich heute bis auf ein paar Ameisen kein Tier

Kreuzottern sind farblich sehr unterschiedlich. Von braun, grau, rötlich und gelblich sogar bis hin zu einfarbig schwarz ohne das sonst typische Zickzackband auf dem Rücken. Sie nutzen immer wieder bestimmte Plätze im Laufe eines Jahres. Da gibt es die Winterquartiere in Erdbauten von Kleinsäugern, in Baumwurzeln oder Steinhaufen, die mehrere Schlangen gleichzeitig beziehen. Oder die Sonnenplätze im Frühjahr und die Brutplätze für die Weibchen, die ihre 5 bis 15 Eier im Körper ausbrüten, also lebend gebärend sind. Das ist übrigens eine enorme Kraftanstrengung, bei der sogar das Fressen eingestellt wird. Nur alle zwei bis drei Jahre pflanzen sich Schlangen daher fort. Da die kleinen Jungschlangen als Nahrung junge Frösche und junge Eidechsen benötigen, ist auch deren Vorkommen ganz wichtig. Auf dem Speiseplan erwachsener Schlangen stehen Amphibien, Reptilien, Kleinsäuger, seltener Vögel, Fische und Wirbellose Tiere (Ringelwürmer, Krebse, Spinnen, Insekten). In der Wachstumsphase häuten sich die Tiere. Auch nach Schlangenhäuten hält Birgit Lamping Ausschau.

Birkenaustrieb stört

Weiter geht es durch ein Areal mit sehr dichtem Bewuchs. Jede Menge junge Birken sind hier in kurzer Zeit ausgetrieben, manche schon mehr als hüfthoch gewachsen. Die nächste Platte liegt daher jetzt im Schatten der jungen Bäume und ist nicht mehr als Sonnenplatz für Schlangen geeignet. Zusammen tragen wir sie daher auf eine Lichtung neben einen Totholzstapel. Birgit Lamping hat einen wasserfesten Filzstift dabei und beschriftet alle Platten: „Wissenschaftliche Untersuchung – bitte liegen lassen!“. Es sei nämlich schon vorgekommen, dass irgendwelche Moorbesucher die Platten bewegt haben.
Nach gut zwei Stunden sind alle Stellen kontrolliert. Bis auf eine Platte, die inzwischen im Wasser verschwunden ist. Wir haben den Pirol rufen und die Frösche quaken gehört, duftende Wildkräuter und blühendes Wollgras gesehen. Auch die Mückenattacken haben wir überstanden. Eine Schlange haben wir allerdings nicht zu Gesicht bekommen. Mehr Glück hat Birgit Lamping beim Kontrollgang eine Woche später. Eine stattliche Schlingnatter kann sie mit ihrem Handy ablichten.
Jeder der irgendwo eine Schlange sichtet, auch wenn es leider nur eine überfahrene ist, sollte sich bei der Biologischen Station melden, wünscht sie sich.

Die Telefonnummer ist 05464 / 9789003.

„Hätte nicht gedacht, in der Schule berühmt zu werden“

RTL-Kamerateam filmt Heseper Grundschüler

Hesepe. Beim dritten Termin des Projektes „Draußen unterrichten“ begleitete ein RTL-Kamerateam die Grundschüler aus Hesepe in den Wald.

Als das Auto mit der Aufschrift RTL in Hesepe am Donnerstagmorgen um die Ecke biegt, sind die Grundschüler der Klasse 4 schon ganz aufgeregt. Heute findet der Unterricht in den Fächern Mathe, Deutsch, Musik und Sachkunde nicht nur zum dritten Mal in einem nahegelegen Waldstück statt, sondern ein RTL-Fernsehteam ist mit dabei. Denn, sie haben den Auftrag einen 3-minütigen Beitrag über das „Draußen Unterrichten“ – Projekt“ zu drehen. Er wird in den 18 Uhr-Nachrichten bei RTL Niedersachsen & Bremen gezeigt. Wann, steht noch nicht fest.

Schulleiter Hansjörg Hoppe aus Hesepe war sofort einverstanden, als der Anruf des Umweltbildungsstandortes Biologische Station Haseniederung kam. Er überzeugte die Eltern (bis auf eine Familie) davon, dass ihre Kinder vor die Kamera und ins Fernsehen dürfen. Außerdem feilte er gemeinsam mit dem beauftragten Lehrer des Umweltbildungsstandortes, Bernd Heinz-Neugarth, an dem bestehenden Programm. Er hielt sogar eine kleine Englisch-Einheit im Wald ab.

Die Schülerinnen und Schüler aus Hesepe waren begeistert. Nicht nur vom Messen und Wiegen verschiedener Baumstammabschnitte und Steine, sondern auch vom Fernsehteam rund um Kameramann Christopher Dzaak. Bei der 10-jährigen Marie ging der Finger immer wieder hoch, so begeistert war sie beim Aufgaben und Probleme lösen dabei. Die Kamera schien sie dabei nicht zu stören. „Ich hätte gar nich gedacht, dass man in der Schule so berühmt werden kann“, war ihr Fazit am Ende des Vormittags. Marlon und Nick, beide 9 Jahre alt, hätten nicht gedacht, dass das Fernsehen zu ihnen kommt und waren abends zuvor schon sehr aufgeregt, konnten aber gut schlafen.

Schulleiter Hoppe freute sich ganz besonders, dass „am heutigen Tag, sogar noch weitere Kompetenzen, wie der Umgang mit einem Kamerateam und das Sprechen vor der Kamera geübt werden konnten. „Es wird viele weitere Unterrichtstage im Wald geben“, ist sich Hoppe sicher. An dem Projekt ist neben der Biologischen Station Haseniederung auch das Umweltbildungzentrum Museum Schölerberg beteiligt. Die Bingo Umweltstiftung finanziert das Ganze. Der Beitrag erscheint auch in der RTL-Mediathek.

Unterricht im Wald
Unterricht im Wald

Bramscher Nachrichten, Mai 2021

Biologische Vielfalt im Gewerbegebiet?

Wie das gehen kann, zeigt die Diskussion im Grünen in Alfhausen

Margarete Hartbecke

Alfhausen Wie stark biologische Vielfalt und Ökologie in Gewerbegebieten miteinander vereinbart werden können, entscheiden wesentlich die Gemeinden mit. Wie es gelingen kann, erklärte die Umweltbeauftragte der Stadt Wallenhorst in Alfhausen vor.
Unter dem Motto „Grün statt Grau – Gewerbegebiete im Wandel“ wurde das bei den vierten grünen Gesprächen in Alfhausen, die von den Gemeinden Alfhausen und Rieste sowie der Biologische Station Haseniederung organisiert werden, diskutiert. Die Umweltbeauftragte der Stadt Wallenhorst, Isabella Draber, erläuterte das Projekt Grün statt Grau. Es handelt sich dabei um ein Netzwerk, bei dem sich Kommunen und Wissenschaftler regelmäßig austauschen und ihre Kenntnisse und Erfahrungen kundtun. Ziel sei, klimatische, ökologische und energetische Aspekte in Gewerbegebieten vermehrt zu berücksichtigen.
Wallenhorst ist seit 2020 Transferkommune mit zwei Gewerbegebieten von insgesamt 87 Hektar als Projektbereich. Dabei handele es sich um ein älteres sowie um das neue Gebiet Gewerbepark Schwarzer See. Wallenhorst setze derzeit mehr auf Beratung und Information und weniger auf Vorschriften, erläuterte Isabella Draber.

Blumenwiese am Kreisel

Die Gemeinde gehe auf eigenen Flächen mit gutem Beispiel voran. Die aus regionalem Saatgut entstandene Blumenwiese am Kreisel in der Nähe des großen Möbelhauses sei ein Projekt, das sehr gut angekommen sei. „Die Gemeinde will ein Vorbild sein. Wir müssen die Notwendigkeit in die Köpfe der Gewerbetreibenden kriegen. Dafür braucht es Beratungsarbeit“, so Draber. Gerade beim Gebiet Schwarzer See könne noch viel gestaltet werden, insbesondere die Verbindung von naturnahen Flächen zu einem zusammenhängenden Bereich.
Nur auf Einsicht wollten sich nicht alle Zuhörer verlassen. Einige forderten klare Vorgaben in Bebauungsplänen. Das sei bei dem neuen Gewerbegebiet „Ankumer Straße“ in Alfhausen der Fall, erläuterte Bürgermeisterin Agnes Droste. Dort sei unter anderem festgelegt, die Stellplätze und Zufahrten wasserdurchlässig zu gestalten, Dächer in Richtung Süden auszurichten, um Solarenergie nutzen zu können und Beleuchtung fledermaus- und insektengerecht auszustatten. Die Gefahr, Flächen mit diesen Auflagen nicht verkaufen zu können, sieht Droste nicht. Die Nachfrage nach Gewerbeflächen sei so groß, dass Gemeinden sich aussuchen können, ob die Bewerber in das ökologische Konzept passen.

Das bekräftigte auch Michael Wernke, Samtgemeindebürgermeister Bersenbrück, für den Niedersachsenpark. Bei der Auswahl der Flächeninteressenten sollten Gemeinden fordern, statt sich zu verbiegen. Sei der Wasserverbrauch eines Unternehmens sehr hoch, müsse nicht die Gemeinde dafür sorgen, wie sie mit dem Abwasser klarkomme. Stattdessen solle das Unternehmen sich um technische Lösungen für Doppelt- und Dreifachnutzung und Kühlung von Gebrauchtwasser kümmern. Die Ansiedlung von Firmen dürfe außerdem die umliegenden Orte in Bezug auf Wohnungen, Kinder- und Schulplätze nicht überfordern.

Ökologie möglich

Die Initiative „Grün statt Grau“ als Netzwerk untermauerte ihren Sinn bei den anschließenden Gesprächen im Garten der Biologischen Station. Informationsaustausch sei immer gut. Es zeigte sich, dass nicht alle Anwesenden von der Notwendigkeit der Autobahnzufahrt in Rieste überzeugt sind, einige bemängelten den hohen Flächenverbrauch für Gewerbegebiete, zweifelten am Nutzen der Ausgleichsflächen und forderten hier mehr Kontrollen. Nutzen und Grenzen von Gründächern und begrünten Wänden wurden diskutiert sowie Fehler in Bebauungsplänen zugegeben, die Zuschüsse für Solaranlagen verhinderten. Ökologische Aspekte in Gewerbegebieten umzusetzen ist ein Prozess, der sich entwickeln muss und durch Beratung und Überzeugung machbar ist.

Bramscher Nachrichten, April 2021

Unterricht dort, wo es kreucht und fleucht

Drittklässler der Meyerhofschule nehmen am Projekt der Station Haseniederung teil.

Hildegard Wekenborg-Placke.

Warum nicht den Unterricht einfach an die frische Luft verlegen? Diese in Corona-Zeiten naheliegende Idee wird zurzeit für die Drittklässler der Meyerhofschule in Bramsche wahr.
Die Schule nimmt an einem Projekt der Biologischen Station Haseniederung als Regionales Umweltbildungszentrum Osnabrücker Nordland in Kooperation mit dem Regionalen Umweltbildungszentrum (RUZ) Osnabrück teil.

„Die Schulfächer Mathe/Rechnen, Deutsch, Sachkunde, Kunst und Musik können per Freiluftunterricht im Wald gut und teilweise sogar besser unterrichtet werden. In den skandinavischen Ländern weiß man das längst, nur hier bei uns ist das noch nicht richtig angekommen. Die Bedingungen draußen sind nicht nur in Anbetracht der aktuellen Corona-Lage und deren psychologischer Belastungssituation bestens geeignet“, heißt es in einer Mitteilung der Station Haseniederung zu dem von der Bingo-Umweltstiftung finanzierten Projekt. Aber wie sieht das nun ganz konkret aus?

Asseln und ein Schneckenhaus

Acht Mädchen und Jungen der Klasse 3a der Grundschule in der Innenstadt haben sich am Mittwochmorgen gemeinsam mit ihrer Lehrerin Melanie Münnich auf den Weg gemacht zu einem kleinen Wäldchen am Ende der Gerhard-Hauptmann-Straße am Fuße des Bramscher Bergs. „Eine Viertelstunde sind wir ungefähr gelaufen und wir haben uns nicht beeilt“, lacht Münnich.

Unter hohen Erlen, zwischen den Buschwindröschen, Veilchen und morschen Zweigen, hat Bernd Heinz-Neugarth, der als abgeordneter Lehrer für das RUZ tätig ist, sein „Pult“ aufgebaut. Zwei mit einem Tuch abgedeckte Paletten dienen als Sammelplatz für allerhand, was es in der Natur zu entdecken gibt. „Ihr sucht jetzt vier Sachen – ein Tier, etwas mit Wasser, ein Stück Holz und einen Stein“. Das ist offenbar gar nicht so einfach.
Die kleine Lerngruppe braucht ein paar Tipps. Aber dann sind unter einem morschen Holzstück schnell ein paar Asseln gefunden oder ein Schneckenhaus. „Wisst ihr, warum das Schneckenhaus von oben weiß ist?“ fragt Heinz-Neugarth. Fragende Gesichter. Er erklärt: Die Oberseite ist dem Regen ausgesetzt. Die darin enthaltene Säure zersetzt die Farbpigmente. Die Fundstücke nutzt die Lerngruppe anschließend für ein Dominospiel.
Im Anschluss gibt es Mathematik anhand von Zehner-Häufchen aus kleinen Stöcken. „Es ist für die Kinder einfach spannender als immer drinnen zu sitzen, und für die Lehrkräfte genauso“, ist Heinz-Neugart überzeugt. Außerdem bleibe man gesund, wenn man viel draußen sei – in Corona-Zeiten ein weiteres wichtiges Argument.

Projekt geht bis zu den Sommerferien

Bis zu den Sommerferien nehmen fünf Grundschulen und eine Förderschule in Stadt und Landkreis Osnabrück an dem Projekt teil. Insgesamt sind 39 Termine geplant, die aber, so Heinz-Neugarth, nicht etwa als Sonderveranstaltungen verstanden werden sollten, sondern als integraler Bestandteil des regulären Unterrichts. Ein bisschen spielerischer gehe es dabei aber schon zu, räumt er ein. „Man muss ja nicht in einer Zeit, die sowieso für alle anstrengend ist, nicht den Druck noch weiter erhöhen.“
Ziel des Angebots ist es, die Schulen zu befähigen, das „Draußen unterrichten“ eigenständig fortzuführen. „Ich höre ganz genau zu“, meint Meyerhof-Lehrerin Münnich. Schließlich soll die zweite Hälfte der Klasse in der kommenden Woche ebenfalls die Erfahrung dieses ganz anderen Lernens kommen. „Die Kinder mussten in der letzten Zeit auf so viel verzichten. Da haben wir bei dem Projekt sofort zugeschlagen“.
Und was sagen die Kinder selbst? „Megatoll“, findet Lotte, neun Jahre, das Projekt und ergänzt: „Die Natur ist total wichtig. Es ist so schade, dass so viel Wald kaputt geht“. Leni, ebenfalls neun, freut sich: „Es ist schön, dass wir so viele neue Pflanzen und Tiere kennenlernen.“ Die beiden Mädchen haben aber auch gesehen, dass nicht alle Menschen so pfleglich mit der Natur umgehen. Ihr Fundstück auf der Suche nach etwas aus Holz ist eine vermoderte Rattenfalle.

Hildegard Wekenborg-Placke

Bramscher Nachrichten, April 2021

Eine Kolonie am Alfsee

Grau- und Silberreiher wieder vermehrt im Osnabrücker Nordkreis zu sehen

Ilona Ebenthal.

Grau- und Silberreiher kann man in den vergangenen Jahren wieder vermehrt beobachten im Osnabrücker Nordkreis. Warum das so ist, erklärt Jürgen Christiansen, Geschäftsführer des Naturschutz- und Bildungszentrums Alfsee und Leiter der Biologischen Station Haseniederung.
Am Hasekolk in Malgarten, auf den Brachflächen im Niedersachsenpark oder am Alfsee sind die Grau- und Silberreiher zu sehen. Von einer Graureiher-Kolonie in der Nähe des Alfsees berichtet Jürgen Christiansen. Den genauen Standort der „um die 20 Nester“ will er lieber nicht verraten, denn die Vögel sind äußerst störanfällig.

Der Graureiher brütet in hohen Bäumen, der etwas schlankere Silberreiher bevorzugt Schilfdickicht, erzählt der Diplom-Biologe. Der Graureiher hält sich als „Ganzjahresvogel“ überall im Alfseebereich auf. „Der weiß leuchtende Silberreiher brütet allerdings nicht bei uns“, sagt Christiansen.
Mit 85 bis 100 Zentimeter Größe und einer Flügelspannweite bis zu 155 Zentimetern ist der Graureiher der größte in Europa lebende Reiher. Er kann bis zu 35 Jahre alt werden. Mit langen Beinen schreitet er durch flache Gewässerzonen und fängt mit seinem dolchartigen Schnabel am liebsten Fische. Er verschmäht jedoch auch Kleintiere wie Feldmäuse oder Maulwürfe nicht, die er auf Wiesen und Brachflächen findet.

Sich den Tieren zu nähern ist schwierig, ob nun am Alfsee oder in Malgarten am Hasekolk, wo beide Reiherarten zu sehen sind. Die Vögel sind sehr scheu, Christiansen vermutet die Jahrzehnte dauernde Bejagung durch den Menschen als Grund. Als unliebsame Konkurrenz bei der Fischjagd waren die großen Vögel nämlich gar nicht wohlgelitten. In tiefen Fischteichen können die Vögel kaum Schaden anrichten, einen kleinen Teich voller leuchtender Goldfische aber schon mal „leer räumen“.

Jürgen Christiansen, der auch für das Gebietsmanagement im Naturschutzgebiet Alfsee zuständig ist, liefert Daten an die zuständigen Stellen wie das NLWKN (Niedersächsischer Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz), das heißt er bestimmt die vorkommenden Arten und zählt die Populationen.

Mehr als 100 Silberreiher hat der Biologe einmal bei der Rast am Reservebecken gezählt. Bei großen Schwärmen hilft dabei die Fotokamera.
Viele beeindruckende Fotos hat er geschossen. Zwei „tanzende“ Silberreiher sind darauf zu sehen oder ein Graureiher, der seine ausgebreiteten Flügel in die Sonne hält. Das Verhalten diene nicht nur dem Trocknen der Federn, sondern auch als Mittel gegen Parasiten.
Reiher werden mit zwei bis drei Jahren geschlechtsreif. Jungtiere verlassen die angestammten Gebiete und „vagabundieren“ durch die Region. Wichtig sind „gute Nahrungsbedingungen“.
In strengen Wintern leiden diese Vögel, erzählt der Experte, der auch am Alfsee schon mal tote Reiher gefunden hat. Im vergangenen Winter allerdings nicht. Nahrung für Reiher ist in der Alfseeregion also reichlich vorhanden. Von der eingewanderten Fischart Schwarzmundgrundeln gebe es hier viele, sagt Christiansen.

Der beste Schutz auch dieser Vögel sei einfach: „in Ruhe lassen“, denn „fliegen kostet unheimlich viel Energie“. Doch die Verbotsschilder, die das Betreten der Uferzonen untersagen, werden von Spaziergängern und Hundebesitzern immer wieder ignoriert.
Jürgen Christiansen beobachtet die Vögel mit seinem Fernglas und zählt so auch die Nester der Reiher. Die mit frischen Zweigen sind besetzt, weiß er. Zwei Löffelreiher – mit ihrem löffelartig verbreiterten Schnabel gut zu unterscheiden – hat er am Alfsee sogar schon beobachten können. Doch die Art brütet an der Küste und in Holland und war am Alfsee nur auf der Durchreise.

Bramscher Nachrichten, April 2021

Es summt und brummt in Bramsche

Insektenvielfalt auch für Menschen wichtig / Wie Wildbienen und Co geschützt werden können.

Ilona Ebenthal. Auch in Bramsche ist die Welt der Insekten bunt und spannend. Was der Mensch für Wildbienen und Co. Gutes tun kann, zeigt Ramona Herfurth von der Biologischen Station Haseniederung.
Mit der Landschaftsentwicklerin machen wir einen Rundgang über das Areal rund um das Backhaus an der Alfseestraße. Wer Insekten intensiv beobachten möchte, benötigt Geduld und Ruhe. Die Hummelkönigin, die sich gerade an den Gundermannblüten bedient, fliegt jedenfalls davon, sobald sie eine Bewegung in der Nähe wahrnimmt.
Nicht nur der Garten, auch das alte Backhaus an der Station sitzt voller Leben. Vögel nisten in jeder kleinen Nische, die sie zwischen Fachwerkholz und Lehmputz finden können. Kleine runde Stellen im Holz zeigen die verschlossenen Brutröhren von Wildbienen. Ein grün-blau und rot schillerndes Insekt hat sich hier zum Sonnen niedergelassen. Was aussieht wie eine Fliege, ist allerdings eine Goldwespe, wie Ramona Herfurth erklärt. Die Art nutzt als Parasit die Brutzellen bestimmter Wildbienen und legt dort ihre Eier hinein.

Kahle Stellen lassen

Mehr als 550 Wildbienenarten gibt es in Deutschland. Die meisten Arten leben – im Gegensatz zur Honigbiene – als Einsiedler. Sie unterscheiden sich gravierend voneinander, sowohl im Aussehen als auch im Verhalten. Die Steppenbiene, von der es nur noch wenige Vorkommen gibt, ist die kleinste Art in Deutschland und misst nur 4 Millimeter. Die Blaue Holzbiene, ebenfalls stark bedroht, wird bis zu 28 Millimeter lang. Rund 400 Arten bauen ihre Nester eigenständig, der Rest – auch Kuckucksbienen genannt – lebt parasitär. Das heißt, sie legen ihr Ei in bereits angelegte Brutröhren anderer Arten. Drei Viertel der Arten, wie zum Beispiel die Sandbienen oder Seidenbienen, nisteten im Boden, manche nur 5 Zentimeter tief, berichtet Ramona Herfurth. Sie hält im Garten daher mehr vom Jäten als vom Hacken und plädiert dafür, „auch lückig bewachsene oder kahle sandige Stellen im Garten“ zur Verfügung zu stellen. „Warum muss der Rasen denn immer ganz dicht sein, oder warum müssen alle Blumenbeete mit Rindenmulch bedeckt sein?“, fragt sie sich.

Wildbienen haben übrigens wegen ihrer meist kleinen Körpergröße nur einen sehr kurzen Stachel, der kaum durch menschliche Haut dringen kann. Die meisten Arten haben einen einjährigen Lebenszyklus. 32 Prozent der nestbauenden Wildbienenarten haben sich beim Pollensammeln für ihren Nachwuchs auf eine Pflanzenfamilie oder auch auf eine bestimmte Pflanzenart spezialisiert, wie beispielsweise Weidenarten, Glockenblumen, Laucharten oder Rainfarn, berichtet die Expertin.
Mit dem Rückgang bestimmter Pflanzen in unserer Kulturlandschaft sterben dann auch Wildbienenarten aus. Hinzu kommt die geringe Reproduktionsrate. Auf rund zehn Nachkommen bringt es eine erdnistende Solitärbiene in ihrem kurzen Leben, während zum Beispiel staatenbildende Hummeln in einem Jahr je nach Art um die 100, in einzelnen Fällen bis zu 800 Nachkommen produzieren.

Wichtige Bestäuber

Neben der Honigbiene tragen die wilden Verwandten ganz erheblich zur Bestäubungsarbeit bei. „Ohne sie sind die Ernten an Kirschen, Äpfeln und weiteren beliebten Obst- und Gemüsearten nicht so reichhaltig und die Früchte nicht so groß“, sagt Ramona Herfurth. Sie berichtet von Hummeln, die an Betreiber von Tomaten-Gewächshäusern verkauft werden: „Durch Vibration ihrer Flugmuskulatur können Hummeln effektiv den Pollen aus der Blüte schütteln und sie bestäuben.“ Ab März seien die ersten Wildbienenarten zu sehen, berichtet Ramona Herfurth. Ganz wichtig sei deshalb das durchgehend vorhandene Nahrungsangebot. Im Garten sollte also immer etwas blühen, das reichlich Nektar und Pollen enthält.
In der Biologischen Station sind aktuell Gundermann und Lungenkraut heiß begehrt. Die lila Blüten des Gundermanns haben unter den Himbeerpflanzen, deren Blüten demnächst sehr gefragt sein werden, einen dichten Blütenteppich gebildet. Auch die blühen bereits seit Anfang April für frühe Wildbienenarten. Bald kommen die Obstbäume auf den Streuobstwiesen dazu.

Wildbienenführer

Ramona Herfurth hat ihre Beobachtungen rund um die Station schriftlich festgehalten. Sie arbeitet nämlich gerade an einem „Wildbienenführer“, der zukünftigen Gäste der Station bei einer eigenständigen Entdeckungsreise auf dem Areal nützen soll. Die Landschaftsentwicklerin zählt einige faszinierende Arten auf, die sie bereits gesichtet hat. Die Maskenbiene, die im Gegensatz zu den meisten Wildbienenarten unbehaart ist. Sie ist schwarz, die Männchen haben weiße Flecken im Gesicht, die wie eine Maske wirken. An der Station hat die Expertin auch schon Blattschneiderbienen beobachtet, die ihre Nester mit Blätterstückchen auskleiden. Andere wie die Seidenbiene sondern ein Sekret ab, dass die Niströhre vor Nässe oder Austrocknung schützt. Auch die Kuckucksbiene wie verschiedene Wespenbienen ist in der Station anzutreffen. Sie nutzen als Parasit die Brutröhren ihrer Verwandten.
Was kann zugunsten der fleißigen Bestäuber im eigenen Garten getan werden? Neben dem breiten Angebot von Blühpflanzen durchgängig vom Frühjahr bis zum Winter müssten auch Nistmöglichkeiten vorhanden sein. Wer es nicht aushält, zum Beispiel abgestorbene Ruten und Halme stehen zu lassen, kann das natürliche Angebot durch selbst gebaute „Insektenhotels“ ersetzen. Die am Markt zu Hauf erhältlichen Modelle seien aber „leider vielfach völlig nutzlos“, meint Ramona Herfurth.
Gute Bauanleitungen gibt es auf den Seiten vieler Naturschutzeinrichtungen oder Bienenforscher. Falsch gebaute Nisthilfen werden im besten Fall nicht angenommen. Manchmal kommt die Brut durch eindringende Nässe um. An mancher Nisthilfe bedienen sich die Vögel und fressen Larven oder nutzen ungesicherte Halme zum Nestbau, berichtet Ramona Herfurth.

Weitere Informationen im Internet auf wildbienen.de oder wildbienen.info.

Die Biologische Station Haseniederung e.V. bietet normalerweise Angebote für Schulen zum Thema Umwelt an. Nun freut sie sich über eine Spende der Oberschule Ankum von Mikroskopen, Blütenmodellen und Tierpräparaten, die sie bald einsetzen will.

Ankum/Rieste. Aufräumen, ausmisten, entsorgen. Das ist bei vielen im Corona-Lockdown angesagt. Viele haben Zeit und nutzen diese, um zuhause mal richtig Ordnung zu schaffen. Genau das dachte sich auch die August-Benninghaus-Schule Ankum. Die Schränke des Materialraums, gefüllt mit einer Schmetterlings- und Käfersammlung, mehreren Blütenmodellen sowie einem gesamten Klassensatz Stereomikroskope für den Bio-Unterricht sollten ausrangiert werden und für einen neuen Klassenraum Platz machen.

„Viel zu schade“
Wären da nicht zwei engagierte und mitdenkende Hausmeister vor Ort gewesen. Horst Buschermöhle, der in der Samtgemeinde Bersenbrück auch das Naturschutz- und Bildungszentrum (nbz Alfsee der Biologischen Station Haseniederung betreut und Hans Summe von der Oberschule. „Viel zu schade“,  dachten die beiden und gaben das Materialangebot an Jürgen Christiansen, Leiter der Biologischen Station, weiter. Dieser freute sich. Schon einige Monate zuvor hatte er von der Schule zwei Vogelpräparate vom Rotmilan und Kolkrabe erhalten. „Diese sehr seltenen Vögel kann man in der Natur doch nicht so genau anschauen“, erklärt er. Nun erhält er 23 Stereomikroskope, also einen ganzen Klassensatz. „Das ist super für uns“, findet er. Wenn die Schulen endlich wieder zu uns können, haben wir nun bessere Möglichkeiten, den Kindern Dinge aus der Tier- und Pflanzenwelt vergrößert zu zeigen und können Zusammenhänge zum Beispiel am beweglichen Modell eines Lippenblütlers viel besser erklären.“

„Gelebte Nachhaltigkeit“
Auch ein Katzenskelett ist dabei und findet nun in Schränken der Biologischen Station ein neues Zuhause. „Das ist für mich gelebte Nachhaltigkeit“, so Christiansen und freut sich, dass die beiden Hausmeister an ihn gedacht haben. „Ausgedienten Dinge an anderer Stelle eine sinnvolle Nutzung zuführen und so Ressourcen sparen!“ Auch Schulleiterin Gabriele Balgenort ist erleichtert, dass die Anschauungsmaterialien aus dem Bio-Unterricht den Bestand der Biologischen Haseniederung bereichern.

Bildunterschriften:

BU1: Von links nach rechts: Martina Relker (Fachbereich Konferenzleiterin Naturwissenschaften), Hans Summe (Hausmeister), Gabriele Balgenort (Schulleiterin) und Jürgen Christiansen (Biologische Station Haseniederung)

Bu 2: Jürgen Christiansen testet ein Blütenmodell

Bu3: Auch ein Katzenskelett war dabei

Bramscher Nachrichten, 04. Januar 2021

NBZ am Alfsee engagiert gegen Langeweile

Aussichtspunkte sollen vor allem Familien ansprechen

Rieste.Gegen Langeweile und für den Artenschutz gedacht ist die jüngste Aktion des Naturschutz- und Bildungszentrums (NBZ) am Alfsee.

Mit einem weißen Hocker und einem kleinen Werkzeugkoffer mit Akkuschrauber marschiert Birgit Lamping zum Unterstand hinter dem NBZ. Sie packt eines von vier Metallschildern aus. „Vogelvielfalt am Alfsee – Was gibt’s zu sehen?“ steht darauf. Die Mitarbeiterin der Biologischen Station Haseniederung, die sich auch um das Gebietsmanagement kümmert, erklärt, was es mit den Schildern auf sich hat.

Sie sollen an vier Aussichtspunkten rund um den Alfsee angebracht werden – jeweils an den Unterständen aus Holz, die beim NBZ, am Absetzbecken, im Nordosten und am Reservebecken stehen. Ein aufgedruckter QR-Code kann mit dem Handy gescannt werden. Spaziergänger und Radler haben auf diese Weise die Möglichkeit, Informationen zu den gesichteten Vögeln rund um den Alfsee zu erhalten. Online abrufbar sind Fotos und Beschreibungen der Vögel, die durch Symbole zusätzlich als Winter- oder Sommervogel, als Brut- oder Standvogel identifiziert werden können. Die Homepage der Biologischen Station ist parallel dazu neu aufgestellt worden. Für Birgit Lamping gehört auch die Schilderaktion zur Öffentlichkeitsarbeit. Im Rahmen des Gebietsmanagements wolle man das Naturschutzgebiet am Alfsee bekannter machen, um die „Wertschätzung“ zu erhöhen, denn „nur was man kennt, wird man schützen“.

Birgit Lamping hofft, mit dem Angebot besonders auch Familien anzusprechen. Da für Kinder zurzeit nicht viel stattfinde, könnten sie hier beim Besuch des Alfsees die Vogelwelt entdecken. Das sei „eine sinnvolle Aufgabe“ und mache auch den Kindern Spaß, ist sie sicher. Diese Artenkenntnis sei nämlich vielfach verloren gegangen, meint sie.

 

Dabei seien „ein paar Basics ganz schön“, um zum Beispiel einen Kormoran von einer Ente zu unterscheiden. Die Inhalte der Internet-Seiten wurden vom Team der Station sorgfältig aufbereitet. Und doch müsse aktuell in einem Fall schon wieder nachgebessert werden, schmunzelt Birgit Lamping. Der Seeadler sei nämlich seit diesem Jahr am Alfsee zum Brutvogel geworden.

Bramscher Nachrichten, 15. Dezember 2020

Vom Alfsee bis zum Auwald

Filmaufnahmen zeigen veränderte Landschaft in Rieste und Malgarten

Rieste/Malgarten. „Der Mensch verändert die Landschaft“ – zu diesem Thema will er im Rahmen des niedersachsenweiten Projekts „Transparenz in der Landwirtschaft“ mittels Filmaufnahmen informieren.
Wir treffen uns mit Christiansen an der Jugendherberge am Alfsee. Eine öffentliche Fahrradtour wäre dran gewesen – eigentlich. Doch weil das nicht geht, fährt der Leiter der Biologischen Station Haseniederung markante Punkte an und dreht dabei einen Film. Dabei will er drei Themen in den Vordergrund stellen, die im Zusammenhang mit der Landbewirtschaftung für unsere Zukunft entscheidend sind: Klimaschutz, Wassermanagement und Artenschutz.
Die Biologische Station beteiligt sich seit 2002 an dem Transparenz-Projekt. Landwirte, die ihren Hof zum Beispiel auch für Schulklassen öffnen, sind immer noch gefragt. „Produzenten und Konsumenten zusammenbringen“ sei ein Ziel dieses Projekts, erklärt der Diplom-Biologe. Dabei gehe es um „Einblicke“ und „Verständnis“.
Wir fahren mit unseren Pkw langsam über schlammige Wege in Richtung Hülsort. In der Nähe der Schutzhütte des Heimatvereins Rieste stoppen wir und gehen Richtung Acker. Zwei alte Stauwehre sind hier an nebeneinanderliegenden trockengefallenen Gräben zu finden. Sie haben keine Holzwand mehr, die früher mit einer Kurbel betätigte Mechanik ist eingerostet. In einem der mit roten Ziegeln gemauerten Pfeiler steckt das Nest eines Zaunkönigs.

Gräben und Grüppen
Mit diesem sogenannten „Schütt“ wurde bis Mitte des letzten Jahrhunderts die Bewässerung der Flächen gewährleistet, erklärt Christiansen. Über „ein ausgeklügeltes Gräben- und Grüppensystem“ sei durch die „Rieselwirtschaft“ Wasser aus den Fließgewässern auf die Flächen geleitet worden, was zusätzlich für Nährstoffeintrag gesorgt habe. Grüppen sind übrigens schmale, von den Landwirten angelegte Quergräben, die über Äcker und Wiesen laufen. Neben dem Wassermanagement benennt Jürgen Christiansen zwei weitere problematische Bereiche im Blick auf die Zukunft: den Klimaschutz und den Artenschutz.
Nächste Station ist die Schautafel an der Schutzhütte auf dem Deich auf der Alfhausener Seite. Drei Karten zeigen die Landschaft, wie sie um 1900, 1950 und 1990 ausgesehen hat. Deutlich zu sehen: Wo 1900 noch großflächige Heide- und Moorgebiete zu finden waren, ist die Landschaft inzwischen ziemlich ausgeräumt. Das „Riesenprojekt Alfsee“ wird erklärt, welcher mit einem Stauvolumen von 21 Millionen Kubikmeter Wasser für Hochwasserschutz vom Mittellandkanal bis ins Cloppenburger Land sorge. Diese Maßnahme sowie Fließgewässerbegradigungen und Entwässerungen machten eine intensivere Bewirtschaftung erst möglich. Viele ehemalige Feuchtwiesen wurden zu Ackerland umgebrochen, erläutert Christiansen. Dass seine Filmaufnahme an dieser Stelle tontechnisch etwas schwierig werden könnte, stellt er fest, denn in der Nähe fahren heute viele Autos vorbei. „Da müssen wir uns etwas überlegen“, meint er, als er sein Stativ zusammenklappt.

Seltene Vögel
Ein älteres Ehepaar kommt uns auf dem Deich entgegen. Der Mann hat seinen Feldstecher dabei und fragt neugierig: „Was gibt es hier zu sehen?“ Jürgen Christiansen ist in seinem Element und berichtet von den verschiedenen Rastvögeln, darunter einige seltene. Unter anderem sei am Dubbelausee eine Zwergscharbe gesichtet worden. Das sei eine Art kleiner Kormoran. Der Experte erklärt dem aus Münster angereisten Paar noch den Weg zum Reservebecken, wo sie mit etwas Glück auch den Seeadler fliegen sehen können.

Wir fahren weiter nach Malgarten. Wieder ein schlammiger Feldweg voller tiefer Pfützen, dann parken wir am Waldrand. Neben schlichten Sitzbänken, die im Kreis angeordnet sind, steht eine Schautafel „Der Auwald macht Schule“. Auch ein Projekt der Biologischen Station, das in den 90er-Jahren in Kooperation mit dem Niedersächsischen Landesforstamt Ankum lief. Damals sei ein Anstich vom Nonnenbach zum Altarm erfolgt, viele Anpflanzungen seien getätigt worden. Bis heute nutzt die Biologische Station den Auwald in Malgarten für Umweltbildungsveranstaltungen.

„Nessie“ im Auwald
Wir gehen tiefer in den Wald hinein und stehen bald vor morastigen Flächen, dahinter mäandert ein Bachlauf, in dem ein großer geschwungener Totholzstamm liegt. „Das ist Nessie“, schmunzelt Jürgen Christiansen und erzählt von den Gummistiefeln, die noch irgendwo im Schlamm stecken, weil ein Kind sie damals verloren habe. Der Auwald, ein „vom Aussterben bedrohter Lebensraum“, halte das Wasser „auch in längeren Dürreperioden in der Fläche“.
„In den 70er- und 80er-Jahren haben wir alles dafür getan, das Wasser möglichst schnell zur Nordsee zu leiten. Jetzt fehlt es uns, was man an großflächigen Bewässerungen in trockenen Sommern sehen kann“, so Christiansen. „Es wird genau dann Wasser entnommen, wenn eigentlich kaum etwas da ist. Wir brauchen wieder mehr Flächen, die das Wasser zurückhalten, das ist auch wichtig für unsere Trinkwasserreservoirs.“

Nächste Station ist wieder der Alfsee. Unser letzter Halt ist am Reservebecken. Wir stapfen im Slalom um die frischen Exkremente der Schafe herum auf die Deichkrone. Von hier oben lässt sich die unterschiedliche Struktur der landwirtschaftlichen Flächen wunderbar erklären: Außerhalb des Deiches großflächige intensive Ackerwirtschaft, kaum noch Hecken, demzufolge wenig Niederwild; innerhalb des Deiches „Landwirtschaft, wie sie früher war“, mit extensiver Beweidung und Wasserstellen – ein Paradies nicht nur für das Weidevieh, sondern auch für Vögel und Insekten.
Diese Art der Nutzung sei eine gute Möglichkeit für die Gewässerrandstreifen, findet Christiansen. Das diene gleichzeitig dem Hochwasserschutz, dem Artenschutz und halte das Wasser in der Fläche, sei allerdings bei hohen Pachtpreisen schwer möglich. Er sagt: „Wir müssen ein Mischmasch hinkriegen“ und wünscht sich mehr Möglichkeiten für den Artenschutz, der am Alfsee scheinbar gut funktioniert: Passend zum Abschluss unserer Tour sehen wir tatsächlich einen Seeadler in der Ferne fliegen.

Ilona Ebenthal

Bramscher Nachrichten, 2. Dezember 2020

Musterprojekt Woltruper Wiesen V

Stadt Bersenbrück gewinnt Preis für naturnahes Bauen

Bersenbrück. Beim Baugebiet Woltruper Wiesen V will die Stadt Bersenbrück neue ökologische Wege gehen, auch über die Baugebietssatzung hinaus. In einem Bundeswettbewerb erhielt die Stadt dafür einen mit 25 000 Euro dotierten Preis.
Im Stadtrat gibt es seit Jahren immer wieder Diskussionen, die sich am Baugebiet Woltruper Wiesen entzünden. Es geht um einen allgemeinen Trend im Siedlungsbau mit negativen Folgen für die Umwelt: Weil Baugrund immer teurer wird, schrumpfen die Grundstücke. Kleine Parzellen werden kompakter zugebaut. Zweifel kommen auf, ob die Bebauung immer rechtens ist.
Und weil die Lebensgewohnheiten sich ändern, verdrängen pflegeleichte Kiesbeete das Grün, hässliche Sichtschutzzäune die Hecken. Das schadet der Artenvielfalt.

Ökologische Wende
Doch in einer Zeit der leer gefegten Landschaften, der Dürresommmer und der Fridays-for-Future-Proteste zeichnet sich eine Wende ab. Immer mehr Kommunen stellen Klimaschutzmanager ein. In der Samtgemeinde Bersenbrück trat Anfang September Tanja Kalmlage an, eines ihrer ersten Projekte ist eine Richtlinie für ökologische Bauleitplanung.
Die Stadt Bersenbrück trat auf Betreiben der Grünen dem Verein „Kommunen für Biologische Vielfalt“ bei und ging damit eine freiwillige Selbstverpflichtung ein.Sichtbar wird die Hinwendung zu Klimaschutz und Artenvielfalt als Ziel kommunaler Politik in einem spannenden Projekt. Stadtverwaltung und Biologische Station Haseniederung taten sich zusammen, berichtete Phil Wesselkämper am Donnertag im Bauausschuss. Das hinter der Reithalle geplante Baugebiet Woltruper Wiesen V mit etwa 30 bis 35 Bauplätzen soll ein „naturnahes Wohngebiet“ werden. Die Bausünden aus den früheren Stufen des Baugebietes sollen sich nicht wiederholen.

Deshalb lässt sich die Stadt von Ronald Sigmund-Stuckenberg und Susanne Schulze von der Biologischen Station beraten, heißt es dazu in einer Pressemitteilung. Es gehe nicht nur um die Baugebietssatzung, erklären dort Bürgermeister Christian Klütsch und sein Stellvertreter Johannes Koop. Vielmehr sollten Bauherren und Bewohner des neuen Viertels beteiligt werden an einem Bündel von Maßnahmen, die die Stadt plane.

Das betont auch Phil Wesselkämper von der Stadtverwaltung im Bauausschuss. Man müsse „die Kies- und Schotterbeete aus den Köpfen bekommen“, mit Beratung deutlich machen, dass nachhaltiges Bauen und Grün auf dem Grund nicht zwingend aufwendiger seien. Es gehe also nicht nur darum, ökologische Grundsätze „in der Bauleitplanung zu manifestieren“, sagt Weselkämper. Man müssen „den Bewohnern auch Angebote machen“.

Wer darf bauen?
Für den Vorstoß gibt es erste Anerkennung. Die Stadt beteiligte sich um Bundeswettbewerb „Naturstadt – Kommunen schaffen Vielfalt“, dessen Schirmherrin Umweltministerin Svenja Schulz ist. Und sie gewann als eine von 40 Kommunen den mit 25 000 Euro dotierten Preis.
Für die Grünen-Fraktion sah Josef Weissmann „einen gewissen Sinneswandel“ nach zuvor „zerstörerischer“ Baupolitik. Die Stadt folge jetzt „den Anregungen der Grünen“.
Bevor Woltruper Wiesen V zum ökologischen Musterländle wird, muss die Stadt aber noch ein kniffeliges Problem lösen. Für die 30 bis 35 Bauplätze stehen über 140 Interessenten auf der Liste. Sehr ausführlich und großenteils im üblichen gereizten Ton diskutierte der Ausschuss Vergaberichtlinien für die Baugrundstücke. Übrigens schon zum zweiten Mal.
Es geht um einen Kompromiss: Einheimische und junge Familien sollen bevorzugt werden, andere Bewerber aber auch eine Chance bekommen. Der Spekulation mit Immobiliengewinnen soll ein Riegel vorgeschoben werden. Um diese Ziele zu erreichen, soll jede Bewerbung nach einem Punktesystem bewertet werden.
Der Ausschuss einigte sich auf einen von zwei Textentwürfen, die die Verwaltung vorlegte. Die Mitglieder brachten aber so viele Änderungsvorschläge ein, dass die Verwaltung den Text nun aktualisieren soll. Über die endgültige Fassung der Vergaberichtlinie soll nun der Stadtrat in einer nächsten öffentlichen Sitzung am 8. Dezember entscheiden.

Martin Schmitz

„Hallo Ankum“ – September 2020

Bramscher Nachrichten, 5. September 2020

Einfach natürlich

Waschmittel und mehr selbst herstellen

Rieste. Öko-Waschmittel, Taschen aus alten T-Shirts, Grill- und Kaminanzünder sowie Bienenwachstücher und Badekugeln haben die Teilnehmer eines Kurses im Natuschutz- und Bildungszentrum (NBZ) Alfsee selbst hergestellt. Das Motto des Workshops: „Natürlich. Nachhaltig. Einfach“.

Kernseife, Waschsoda und ätherische Öle, mehr braucht man nicht, um ein umweltfreundliches Waschmittel selbst herzustellen. „Die Herstellung ist total einfach, braucht aber etwas länger“, erklärt Kursleiterin Kathrin Leiendecker.

Ein schnelleres Ergebnis hielten die Teilnehmer bereits nach einigen Minuten in der Hand: Bienenwachstücher lassen sich im Haushalt vielseitig verwenden – um Lebensmittel abzudecken oder um das Pausenbrot darin einzuwickeln. Sie sind die nachhaltige Alternative zu Frischhaltefolie und halten ewig.

Für Kamin- oder Grillanzünder benötigt man lediglich Toilettenpapierrollen, Wachsreste, Sägespäne und Tannenzapfen. „Diese Anzünder sind umweltfreundlich und sogar in der Lage, ein großes Feuer zu entfachen“, beschreibt die Kursleiterin. Die selbst hergestellten Badekugeln eignen sich auch als Erkältungsbad: „Wenn man statt Duschölen zum Beispiel Eukalyptus hinzufügt, erzielt man den gleichen Effekt wie bei herkömmlichen Zusätzen für Erkältungsbäder.“

Für den Transport der selbst hergestellten Produkte wurde am Ende eine Tasche aus einem alten T-Shirt gefertigt. „Nur durch unser eigenes Handeln können wir einen Beitrag zum Umweltschutz leisten“, so Teilnehmerin Imke Kolloge aus Bersenbrück. Sie versuche, solche Beiträge nach und nach in ihrem Alltag zu integrieren.

Bramscher Nachrichten, 24. August 2020

UN-Auszeichnung für Biologische Station

Landrätin würdigt Arbeit am Alfsee

Rieste/Alfhausen. Landrätin Anna Kebschull hat der Biologischen Station Haseniederung die Auszeichnung als „offizielles Projekt der UN-Dekade Biologische Vielfalt“ überbracht. Verbunden mit dieser Auszeichnung sind eine Urkunde sowie ein Banner. Beides darf zwei Jahre lang für die Eigenwerbung eingesetzt werden.

Prämiert wurde das Projekt „Biologische Vielfalt im Osnabrücker Land bewahren – Wie geht das?“. Dieses zielt darauf ab, durch praktische Handlungsempfehlungen Bürger sowie Akteure aus Kommunalpolitik und Wirtschaft dazu zu motivieren, den Schritt vom Wissen zur tatsächlichen Verhaltensänderung zu gehen.

Dazu wurden zwei zentrale Themen gewählt, um die sich die Arbeit strukturierte: Der Bestands- und Artenrückgang bei Honig- und Wildbienen und deren Folgen für Mensch und Umwelt. Ferner der Anbau traditioneller, regionaler Obst- und Gemüsesorten und wie Verbraucherinnen und Verbraucher durch ihr Verhalten eine naturverträgliche Landwirtschaft fördern können. Zur praktischen Veranschaulichung wurde der Naturerlebnisgarten der Station in einen Schau- und Praxisgarten umgestaltet, mit den Elementen Trachtengarten, Nutzgarten und Streuobstwiese.

Nach einer Führung durch diesen Garten mit eingehenden Informationen durch die Projektmitarbeiter Ronald Siegmund-Stuckenberg und Susanne Schulze hob Anna Kebschull die „nationale Bedeutung dieser Auszeichnung für das hiesige Vorhaben“ hervor, von der der ganze Landkreis und speziell der Nordkreis profitiere. Diese Auszeichnung sei „keine Selbstverständlichkeit, sondern vor allem das Ergebnis einer langjährigen und erfolgreichen Vorarbeit“.

Es folgte ein intensiver Rückblick auf die Stationsgeschichte, deren Ursprung Anna Kebschull auf das Jahr 1986 mit der Gründung einer Arbeitsgruppe des Deutschen Bundes für Vogelschutz durch Anneliese Thesing-Forynski datierte. Hinsichtlich der Meilensteine der jüngeren und jüngsten Vergangenheit unterstrich Anna Kebschull die Partnerschaft mit dem Natur- und Unesco-Geopark Terra-Vita sowie die unlängst erfolgte Eröffnung des Natur- und Bildungszentrums auf dem Alfseedeich.

Besonders wichtig war für die Landrätin in ihrer Laudatio, „dass wir die Menschen im Landkreis mitnehmen bei der elementaren Aufgabe, ihren Lebensraum, ihr Wohnumfeld für sich selbst, aber gleichrangig auch für die Fauna, Flora und Artenvielfalt zu schützen“. Die Bürger sollen in die Lage versetzt werden, „eigene Handlungsmuster zu bewerten, Sachverhalte kritisch zu hinterfragen, eine eigene handlungsorientierte Haltung einzunehmen und sich gestaltend zu beteiligen. Dabei spielt unsere Jugend eine tragende Rolle, denn es geht um ihre Zukunft“, meinte Kebschull.

Im Trend

„Biologische Vielfalt im Osnabrücker Land bewahren – Wie geht das?“ zeige elementare Schritte auf, um die Bevölkerung mit auf den Weg zu einer gesünderen, attraktiveren und artenreicheren Heimat zu nehmen. „Die Biologische Station Haseniederung liegt mit ihren Angeboten sehr gut im Trend und bedient mehrheitlich nachgefragte Bedürfnisse. Bleiben Sie Trendsetter“ wünschte sich Anna Kebschull, die mit der Feststellung abschloss, dass jeder vor seiner eigenen Haustür etwas zu den zuvor geschilderten Naturschutzanliegen beitragen könne.

Bersenbrücker Kreisblatt, 13. August 2020

Eine Grundfinanzierung wäre wünschenswert

Abgeordnete Pott und Wölken auf Sommertour im NBZ am Alfsee
Rieste/Alfhausen. Zusammen mit dem Europaabgeordneten Tiemo Wölken (SPD) hat der Landtagsabgeordnete Guido Pott (SPD) das Naturschutz- und Bildungszentrum (NBZ) am Alfsee und die Biologische Station Haseniederung besucht.

Begleitet wurden sie von ihren Genossen aus der Region, Werner Lager, Manfred Krusche und Christian Scholüke. Pott war schon bei der Eröffnung des NBZ im Februar 2020 dabei, das kurz darauf coronabedingt eine mehrmonatige Zwangspause einlegen musste. Seit einigen Wochen ist das ehemalige Bootshaus am Alfsee mit seiner neuen Funktion wieder geöffnet und bietet den Besuchern im großen Ausstellungsraum viele interaktive Möglichkeiten, spannende Informationen rund um den Alfsee zu erfahren. Für Pott sei es eine gute Gelegenheit gewesen, diese einmalige Einrichtung im Osnabrücker Nordland ein weiteres Mal zu besuchen, heißt es in der Pressemitteilung.

Begehbare Landkarte

Die Entstehungsgeschichte des Hochwasserrückhaltebeckens an der Hase wird im NBZ ebenso thematisiert wie die vielfältige Vogelwelt von der Wildgans bis zum Seeadler. Weitere Module sind die begehbare Landkarte, auf der Videoclips zu regionalen Besonderheiten per Fußtritt aktiviert werden können, sowie die gemütlichen Sessel mit Blick auf den Alfsee, in denen alte Sagen gehört werden können, sogar auf Plattdeutsch.

Geschäftsführer Jürgen Christiansen führte die Gäste gemeinsam mit Ronald Siegmund-Stuckenberg durch die Räume des NBZ und zeigte ihnen auch den großen Seminarraum, in dem außerhalb von Corona-Zeiten bis zu 40 Personen mit Blick auf den Alfsee tagen können.

Er verwies auf enge Zusammenarbeit mit der Biologischen Station Haseniederung, deren Leiter er ebenfalls ist. Seit 30 Jahren werde dort mit zahlreichen, vor allem ehrenamtlichen Mitarbeitern, intensive Bildungsarbeit für nachhaltigen Naturschutz betrieben. „Die aktive Zusammenarbeit mit Menschen ist wichtig, um den Naturschutzgedanken nachhaltig zu festigen“, beschrieb Christiansen einen Punkt, dessen Umsetzung ohne die Unterstützung vieler Ehrenamtlicher kaum möglich sei.

Als Projektleiter seit vielen Jahren dabei ist Ronald Siegmund-Stuckenberg, der die Gäste beim anschließenden Besuch der Biologischen Station über die Projektarbeit informierte. Pott und Wölken nahmen neben einem Glas Honig auch die ein oder andere Anregung mit.

So machten Christiansen und Siegmund-Stuckenberg deutlich, dass die Idylle der Station Haseniederung sich nicht von alleine finanziere. Dafür müsse Projektarbeit immer wieder neu akquiriert werden, um Personalstellen zu halten. Eine regelmäßige Sockelfinanzierung würde hier eine solide und plansichere Grundlage schaffen, auf der noch mehr Bildungsarbeit in Sachen Naturschutz aktiviert werden könnte, gaben sie den Politikern mit auf den Weg. pm

Bramscher Nachrichten, 15. August 2020

Kinder dürfen Natur erleben

Neue Angebote von NBZ und Haseniederung

Rieste/Alfhausen. Während der Sommerferien dürfen Kinder rund um den Alfsee Natur spielerisch auf intensive Weise kennenlernen: Die Biologische Station Haseniederung und das Naturschutz- und Bildungszentrum Alfsee (NBZ) haben eine Veranstaltungsreihe aufgelegt.

Für das Programm „Lern-Räume“ stellt das niedersächsische Kultusministerium 3,5 Millionen Euro zur Verfügung. Es schaffe Angebote für Kinder während der Sommerferien, heißt es in einer Mitteilung des Ministeriums.

Die Biologische Station Haseniederung und das Naturschutz- und Bildungszentrum Alfsee (NBZ) nehmen teil mit Veranstaltungen für sechs- bis zwölfjährige Kinder. Hier dürfen Kinder die Natur ganz nah erleben, heißt es in einer Pressemitteilung dazu.

Zum einen geht es mit viel Spaß und Spiel um das Thema „Naturschutz zum Anfassen“: hier wird die Geschichte und Bedeutung des Alfsees als Vogelschutzgebiet anhand der neuen interaktiven Ausstellung im NBZ Alfsee erlebbar gemacht.

Oder es geht „Auf Wiesenfühlung“. Hier werden Tiere und Pflanzen einer Wiese unter die Lupe genommen. Die Veranstaltungen sind kostenfrei.

Nur für „Naturschutz zum Anfassen“ fällt ein Eintrittspreis für die Ausstellung in Höhe von zwei Euro po Kind an. Eine Anmeldung ist erforderlich unter Telefon 05464 9789000.

Bersenbrücker Kreisblatt, 05. August 2020

Die Kita-Kinder und die weit gereisten Vogelgäste

Tierschutzaktion in Alfhausen sorgt für Erstaunen / Wie lassen sich Vögel wiegen, die sich gegen alles sträuben?

Bersenbrücker Kreisblatt, 05. August 2020

Die Kita-Kinder und die weit gereisten Vogelgäste

Tierschutzaktion in Alfhausen sorgt für Erstaunen / Wie lassen sich Vögel wiegen, die sich gegen alles sträuben?

Alfhausen. Vögel fangen? Ringe an ihren Beinen anbringen? Wozu? Was hier geschah, versetzte die Kita-Kinder des Familienzentrums Johanna aus Alfhausen in Erstaunen – unter dem so bürokratisch anmutenden Begriff der „Vogelberingung“ verbirgt sich eine Tierschutzaktion, die sichtar machen soll, welche Wege die Vögel Jahr für Jahr für ihre Wege in die Winterquartiere zurücklegen und ob sich diese verändern. Nun fand diese Aktion zum dritten Mal in Folge in der Biologischen Station Haseniederung am Alfsee statt.

Mit reichlich Equipment am frühen Morgen angereist sind Werner Schott und Martin Atcherley von Pro Ring. Dieser Verein der Freunde und Förderer der wissenschaftlichen Vogelberingung wurde 2002 gegründet und hat bundesweit 500 Mitglieder. Werner Schott war als Aktiver von Anfang an dabei. Der pensionierte Sparkassenkaufmann aus Vehrte trat bereits als Jugendlicher in den Bund für Vogelschutz ein. Heute leitet er im dritten Jahr die Beringungsaktion in der Biologischen Station, deren Mitarbeiterin Birgit Lamping ihn dabei unterstützt.

Japannetze an der Aue

Auf der Südseite des Stationsgeländes fließt die Ueffelner Aue. Hier sollen die speziellen „Japannetze“ gespannt werden, die besonders fein und für die Vögel unsichtbar sind. Während Lisa Plassonke – sie absolviert ein Freiwilliges Ökologisches Jahr (FÖJ) – das frisch gemähte Gras zur Seite harkt, schlagen Werner Schott und Marlin Zapp (FÖJ) abwechselnd im passenden Abstand Metallhülsen in die Erde, um die Haltestangen einstecken zu können. Die Netzteile werden den Leinensäcken entnommen und vorsichtig aufgespannt. Jedes Netz ist gut vier Meter hoch und 12 Meter lang. Acht Netze werden hier gespannt, sodass eine Strecke von 96 Metern abgedeckt ist. Ein weiteres Netz wird in der Nähe des Teiches auf dem Stationsgelände aufgehängt.

Kinder helfen mit

Inzwischen sind kleine Gäste eingetroffen. Die erste Gruppe der Kita Familienzentrum Johanna macht erst einmal Frühstückspause unter den Bäumen. Dann geht es Richtung Aue, wo Werner Schott und Birgit Lamping bereits begonnen haben, die ersten Vögel, die sich in den Netzen verfangen haben, zu befreien. Sie werden einer nach dem anderen in kleine Leinensäckchen gesteckt, die mit einem Band zugezogen werden. Einige Kinder dürfen diese, vorsichtig am Band anfassend, transportieren. Die Aufregung ist groß. Unter dem Carport ist die Beringungsstation aufgebaut. Hier liegen Schnüre mit den durchnummerierten Ringen und eine kleine Zange. Geschickt entnimmt Werner Schott – dicht umlagert von Kindern – den ersten Vogel aus dem Säckchen und hält ihn vorsichtig, aber fest in der Hand. Die Ring-Nummer und alle Daten werden von Birgit Lamping in eine Liste eingetragen. Der erste Vogel ist eine junge Kohlmeise, drei Jahre alt.

Die Flügellänge wird ebenso gemessen wie zum Abschluss der Untersuchung das Gewicht. Zum Wiegen gibt Werner Schott den Vogel kopfüber in ein Stück PVC-Rohr, das auf einer Waage steht. 16 Gramm wiegt diese Meise, die jetzt mit dem Anheben des Rohrstücks schleunigst das Weite sucht, so schnell, dass die Kinder freudig erschreckt zusammenfahren. Der nächste Vogel ist eine Heckenbraunelle, erklärt Birgit Lamping. Er wird von Werner Schott als Altvogel erkannt, da die Augen von Jungvögeln rötlicher schimmern, erfahren die erstaunten Kids und ihre Erzieherinnen. Der nächste Kandidat ist „ein Teichrohrsänger ohne Schwanz“, was Birgit Lamping dazu bringt, den Kindern die Mauser zu erklären. Ein junges Rotkehlchen wird jetzt beringt, ebenso ein Kleiber, der laut Werner Schott auch Spechtmeise genannt wird und mit seinem spitzen Schnabel wütend um sich pickt.

Die heutige Beringungsaktion sei für den Verein eher „just for fun“, erklärt Birgit Lamping. Dennoch können die Ergebnisse mit den Daten der Vorjahre verglichen werden. Beringungsaktionen im großen Rahmen führen Werner Schott und seine ehrenamtlichen Mitstreiter regelmäßig im Gebiet Langelager Teiche bei Bohmte durch. Und zwar nach einem bundesweit standardisierten Verfahren. Die Netze müssen eine Stunde vor Sonnenaufgang stehen, die Helfer also im Sommer besonders früh aus den Federn.

Finnland und Portugal

Spannende Erkenntnisse ziehen die Vogelschützer aus ihren Fangaktionen, die seit 2004 stattfinden. Werner Schott hat Beispiele und Zahlen parat. So habe man einen Zilpzalp gefangen, der im 1737 Kilometer entfernten Daimiel in Spanien beringt worden sei. Ein Wintergoldhähnchen flog in 26 Tagen 1419 Kilometer aus Finnland bis zu den Langelager Teichen. Und ein Rotkehlchen, das in Portugal beringt wurde, brauchte für die 1816 Kilometer 162 Tage. 60 Mönchsgrasmücken wurden bereits im laufenden Jahr gezählt. Das ist die Vogelart, die in allen Jahren am häufigsten vorkam, gefolgt von Kohl- und Blaumeise. Sogar ein paar Enten und zwei Graureiher finden sich in der Liste seit 2004, die unter anderem von Bluthänfling, Pirol und Neuntöter nur jeweils ein Exemplar ausweist.

Mittags ist die Aktion zu Ende. Mit dem Ergebnis sind Werner Schott und Birgit Lamping zufrieden. Beringt wurden insgesamt 28 Vögel. Der Teichrohrsänger war mit sieben Exemplaren am häufigsten vertreten, gefolgt vom Zilpzalp mit fünf, Blaumeise und Rotkehlchen mit jeweils drei Tieren. Auch eine Dorngrasmücke und eine Mönchsgrasmücke gingen ins Netz. Insgesamt zwölf Arten wurden beringt. Birgit Lamping findet, es sei „alles super rund gelaufen“. Die Alfhausener Kinder haben viel gelernt und kennen sich jetzt besser mit Vogelarten aus. „Wir können nur schützen, was wir kennen“, lautet das Motto des Vereins Pro Ring.

 

Bersenbrücker Kreisblatt, 05. August 2020

Pop mit leisen Tönen

Kultursommer im Stationsgarten

Alfhausen. In der Reihe „Querbeet – Kultursommer im Stationsgarten“ präsentierten Sängerin Simon Dye und Pianist Tobias Rotsch ihre Lieblingssongs aus Pop, Soul, Jazz, Funk und zwei eigene Stücke in der Biologischen Station Haseniederung.

„Musik ist meines Erachtens dafür da, Menschen mit ihren Gefühlen in Kontakt zu bringen,“ erzählt Simon Dye vor Konzertbeginn. Menschen in Kontakt zu bringen ist ebenfalls Anliegen der Biologischen Station. Und das gerne auch mit dem Stationsgarten und den pädagogischen Anliegen der Station in Umweltschutz und Artenvielfalt.

Und da die Musik hierfür ein geeignetes Medium ist, verband man in diesem Corona-Sommer eben die Natur mit der Musik. Fast 60 Zuhörer ließen es sich wieder im Garten gut gehen. Verpflegung zur Kaffeestunde durfte selbst mitgebracht werden. statt Eintritt zu zahlen entschied das Publikum selbst, was ihm das Konzert wert war.

Das Programm von Simon Dye und Tobias Rotsch war geprägt von überwiegend tiefsinnigen Titeln mit anspruchsvollen Textaussagen. Die Thematik Dankbarkeit oder der Wunsch, als bestmöglicher Freund für ein Gegenüber da zu sein, jedoch auch die von Sting bereits in den 1980er-Jahren vertonte Schande des Welthungers wurden von Simon Dye besungen.

Voller Emotionen

Zu laut spielten sie übrigens auch nicht. Das von der Sängerin in ihrem Vortrag bevorzugte Forte wurde vom Pianisten als Begleitmusiker durch professionelle Zurückhaltung auf ein Gesamtmaß ausgeglichen, das eine Unterhaltung an den Tischen jederzeit gewährleistete.

Doch die Unterhaltung war an diesem Nachmittag nicht so intensiv wie sonst bei anderen Sommerkulturveranstaltungen. Offensichtlich hatte Simon Dye doch einige Emotionen mittels ihrer Lieder in das Publikum transportieren können, die es nahelegten, das Konzert nicht lediglich als angenehme Hintergrundmusik zum Kaffeegenuss aufzunehmen, sondern einmal intensiver zuzuhören.

Sängerin Simon Dye studierte zunächst Publizistik. Seit 1995 arbeitet sie als Live- und Studio-Sängerin, unterrichtet Gesang und gibt Workshops für Gesang sowie für Bühnen-Performance, auch für Chöre. Seit 2009 lehrt sie das Fach Vocal Performance als Dozentin an der Musikhochschule in Münster. 2017 eröffnete sie das „Kulturquartier Münster“, ein Zentrum für freischaffende Musiker, Musiklehrer und Künstler anderer Sparten.

Der Pianist und Keyboarder Tobias Rotsch studierte am Konservatorium Enschede sowie an der Musikhochschule Münster „Keyboards & Musicproduction“ sowie klassisches Klavier. Als Liedermacher „Wolfspelz“ ist Rotsch deutschlandweit mit eigenem Programm unterwegs.

 

Bramscher Nachrichten, 28. Juli 2020

Sommerabend-Atmosphäre
am Alfsee

Alfhausen. Musical-, Klezmer- und Filmmusik erklang während der zweiten Ausgabe der Kultursommerkonzerte im Garten der Biologischen Station Haseniederung in Alfhausen/Rieste.

 

Der 14-jährige Klarinettist Konstantin Stutzky unterhielt mit einem rund anderthalbstündigen Programm die Gäste. Weinflaschen und Fingerfood standen auf den Tischen. Es war ein lauer Sommerabend in der lauschigen Idylle neben dem Alfsee-Hauptbecken.

Das Konzert stand wieder unter dem Motto „Querbeet – Kultursommer in der Biologischen Station Haseniederung“ und war eine Veranstaltung im Rahmen des Projektes „Biologische Vielfalt im Osnabrücker Land bewahren“.

„Ausreichend Lampenfieber habe ich schon“, gab Konstantin Stutzky vor dem Konzertbeginn zu. Vor Publikum gespielt hatte der Sohn zweier Profimusiker schon mehrmals, beispielsweise auf Weihnachtsfeiern und Schulkonzerten. Da dauerte der Auftritt jedoch lediglich etwa eine halbe Stunde.

Diesmal war das schon eine andere Nummer. Rund 25 Stücke hatte der junge Mann zu absolvieren, während das Publikum das tat, was bei einem Sommerkulturprogramm eben so ansteht: Zuhören, miteinander kommunizieren und ein selbst mitgebrachtes Abendessen genießen.

Es war überwiegend vollkommen ruhige Feierabendmusik, die Stutzky vortrug. Sanfte Titel aus diversen Musicals und Filmen. Ambitioniert und gefühlvoll interpretierte der junge Musiker seine Stücke.

Besonders, dass sich Stutzky für den Mittelabschnitt des Konzertes Klezmermusik ausgesucht hatte, ließ auch einigen Mut erkennen. Diese sentimentalen und sehnsuchtsvollen Stücke – mit ihrer Wehmut und dem ihnen innewohnenden Heimweh – sind für Jugendliche seines Alters sicherlich eine musikalische Herausforderung, doch auch sie meisterte er zum offenkundigen Gefallen des Publikums, das gerne jedes Stück mit entsprechendem Beifall bedachte.

Gemischtes Publikum

Gesichtet wurde an diesem Sommerabend Publikum aus Osnabrück, aus Belm, Bramsche, Engter, Rieste und natürlich aus Alfhausen. Der besondere Charme des Aufführungsortes bestand aus der ruhigen Lage in Alfsseenähe, Weiden-Umrandungen, einigen verborgenen Winkeln und neu angelegten, bienenfreundlich gestalteten Beeten. Hier konnte sich das Publikum an den aufgestellten Tischen niederlassen. Rund 40 Besucher hatten diesmal den Weg in die Biologische Station gefunden. Sehr zur Freude der Veranstalter übrigens, deren Erwartungen damit übertroffen wurden.

Es sei eine „entspannte Sommerabend-Atmosphäre geworden. Die Gäste können die Anlage genießen, und wir können wieder die Station etwas bekannter machen. Wir sehen hierdurch viele neue Gesichter, die bisher unseren Garten noch nie besucht haben“, beschrieb Ronald Siegmund-Stuckenberg im Namen der Veranstalter die Stimmung im Garten.

Wie gut der Abend ankam, formulierte Jürgen Bruning aus Engter. „Es ist eine tolle Geschichte. Die Musik passt zum Umfeld. Und dass man hier sein Essen und Trinken mitbringen kann, macht daraus eine rundum gelungene Geschichte. Es ist unser Wunsch, in der Zukunft so etwas auch an der Alten Feuerwehrwache zu veranstalten“, so Bruning.

Fortsetzung folgt

So waren alle zufrieden, und Konstantin Stutzky durfte nach dem Ende des Konzerts einen nicht schlecht gefüllten Spendenhut entgegennehmen. Die Queerbeet-Konzertreihe wird übrigens am 2. August mit zwei Profimusikern aus Münster fortgesetzt. Die Sängerin Simon Dye und der Pianist Tobias Rotsch werden dann ab 15 Uhr mit Popmusik und eigenen Titeln zu erleben sein. Infos hierzu sind im Internet unter www.biologische-vielfalt-os.de zu finden.

 

Bramscher Nachrichten, 22. Juli 2020

Der König der Lüfte hält Hof

Seeadler brüteten erstmals am Alfsee / Zwei Jungvögel sind flügge geworden

Rieste. Das Vogelschutzgebiet Alfsee hat in diesem Jahr neue Dauergäste bekommen: Erstmals zog ein Seeadlerpaar hier seine Jungen groß.

Seit gut zehn Jahren wurden im Winterhalbjahr immer mal wieder einzelne Seeadler über der Alfseeregion gesichtet, berichtet Jürgen Christiansen. Der Geschäftsführer des neuen Naturschutz- und Bildungszentrums Alfsee in Rieste ist auch langjähriger Leiter der Biologischen Station Haseniederung. Er beobachtete mehrfach „herumvagabundierende Jungvögel“, die erst im Alter von vier bis fünf Jahren geschlechtsreif werden. 2018 tauchte dann erstmals das Seeadlerpaar am Alfsee auf. Das Männchen habe im vergangenen Jahr fleißig Nistmaterial herbeigeschafft. Das offensichtlich zu junge Weibchen war aber „nicht interessiert“, erzählt Jürgen Christiansen.

Dass die beiden Vögel sich ein Jahr lang mit der Umgebung vertraut gemacht haben, findet er „ganz toll“. In diesem Jahr war es dann Anfang März so weit, dass gebrütet werden konnte. Nach gut 40 Tagen Brutzeit verzeichnete der Diplom-Biologe, zu dessen Aufgaben auch das Gebietsmanagement des Naturschutzgebiets gehört, Mitte April den Schlupf von zwei Küken. Mittlerweile sind die zwei Jungvögel flügge geworden und versuchen sich mit der Jagd, wobei sie noch gerne den einen oder anderen Leckerbissen von den Altvögeln annehmen.Flucht zum Kronensee

Mit der Ansiedlung des Seeadlerpaares schrumpfte die in den vergangenen Jahren auf stattliche 70 bis 80 Nester angestiegene Kolonie der Kormorane. 370 Kormorane hat Jürgen Christiansen 2019 gezählt. Dabei half ihm quasi der Seeadler, der die Kolonie aufscheuchte und auf die Wasserfläche flüchten ließ. „Dort konnte ich sie dann schön zählen“, berichtet der Biologe. In dieser Saison seien nur noch rund 20 Komorannester besetzt. Befreundete Vogelkundler meldeten allerdings erstmals die Ansiedlung von zahlreichen Kormoranen am Kronensee in Ostercappeln. Der Seeadler hat die Population also nicht zerstört, sondern verdrängt.

Mehr Stress bedeutet der neue Gast allerdings für die Wasservögel. Christiansen fotografierte den Angriff des Seeadlerweibchens auf einzelne Gänse und beobachtete den Erfolg der Jagd. Auch einen stattlichen Hecht hat er schon in den Krallen der Greifvögel gesehen. Das Nahrungsangebot sei für die Tiere sehr gut, sagt er. Durch den Fischreichtum im Wasser und die große Vogelzahl am Wasser ist der Tisch für die Jäger immer reich gedeckt.

Dass solche Szenen häufig Fotografen und Vogelbeobachter anlocken, ist klar. Dass viele Menschen „ein Auge darauf haben“, findet Christiansen auch gut, solange alle sich an die Schutzgebietsverordnung halten.

Doch es gibt unter den selbst ernannten Vogelfreunden auch schwarze Schafe. So traf der Biologe einen Fotografen, der für seine Fotos den Weg auf dem Deich verlassen hatte und bis zum Zaun vordrang – was zur Folge hatte, dass bis zum Wassergraben kein Vogel zu finden war. Trotz freundlicher Ansprache zeigte sich der Mann wenig einsichtig.

Wenn die Vögel nicht gestört werden, kommen sie auch wieder, weiß Jürgen Christiansen. Er lobt die tolle Zusammenarbeit mit dem Landwirt, der die Wiesen im Reservebecken bewirtschaftet, und die Kooperation mit den Jägern und Jagdpächtern aus den vier Jagden, die bereitwillig versprachen, beim Aufbruch des erlegten Wildes die Reste entweder mitzunehmen oder tief zu vergraben, um eine Bleivergiftung der Vögel durch Schrot zu vermeiden.

 

AG Adlerschutz

Eine große Hilfe sei die Arbeitsgemeinschaft Adlerschutz Niedersachsen (AAN) gewesen, berichtet Jürgen Christiansen. Deren Experten haben jahrelange Erfahrung mit den großen Greifvögeln und wissen, worauf es ankommt. Bestimmte Radien um den Standort des Horstes müssen zum Beispiel unbedingt unbeeinflusst bleiben, um eine erfolgreiche Aufzucht der Jungen zu gewährleisten. Das sei am Dümmer einfacher, wo viel mehr Flächen relativ unberührt sind, erklärt der Experte.

Die Seeadlerpopulation in Niedersachsen zeigt übrigens eine erfreuliche Entwicklung. Aus der Bestandsaufnahme durch die AAN ergibt sich, dass die Zahl der ausgeflogenen Jungvögel von nahezu null im Jahr 1990 über zehn im Jahr 2000 und 30 im Jahr 2010 bis 2019 auf 71 gestiegen ist.

Wie wird es mit den Seeadlern am Alfsee weitergehen? Im Winter werden irgendwann die Jungvögel von den Alten vertrieben und suchen sich ein neues Gebiet, weiß Jürgen Christiansen. Ausschlaggebend sei hier immer das Wasser.

Der Seeadler ist typischerweise häufiger an der Küste zu sehen. Der Biologe ist optimistisch, dass das Seeadlerpaar am Alfsee, das dort erfolgreich gebrütet hat, bleiben werde.

Ilona Ebenthal

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